Kunst fördert Friedenstüchtigkeit
Sechs Tage Friedens- und Protest-Camp auf dem Wiener Platz in Köln-Mülheim
25.–30. August 2026 · Täglich 12–22 Uhr
Wiener Platz · 51065 Köln-Mülheim
Während die Politik Kriegstüchtigkeit propagiert, erprobt Köln-Mülheim die Friedenstüchtigkeit: Vom 25. bis 30. August 2026 entsteht auf dem Wiener Platz mit „FACi PACI BACI“ ein partizipatives Kunst-Camp: Das mythen der moderne- Archivtheater wird das Netzwerk des kollektives Handeln der Mülheimer Engagierten und Aktivisten in den öffentlichen Raum bringen.
Für sechs Tage entsteht auf dem Wiener Platz eine temporäre „Miteinanderbühne“, die Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten zusammenbringt. Gemeinsam mit lokalen Initiativen, Künstler*innen, Aktivist*innen und Anwohner*innen entwickelt das mythen der moderne-Kollektiv unter dem Dach eines Kunst- und Friedenscamps einen offenen Raum für Austausch, Kreativität und gemeinsames Handeln. Mülheim zeigt, dass es friedenstüchtig ist – in seinem solidarischen Miteinander einer wachsenden postmigrantischen Gesellschaft.
Der Titel „FACI PACI BACI“ ist ein Kunstwort und will mit Leichtigkeit das Thema „Frieden schaffen ohne Waffen – aber wie?“ in einer Zeit von Krisen und Kriegstüchtigkeitsphrasen stellt sich das mythen der moderne – Kollektiv die Frage „Wo ist nur der Pazifismus hin“ und erprobt humorvoll den pazifistischen Widerstand mit den Mülheimer Bürger und Bürgerinnen .

Fünf Werkstätten – eine Bühne
Unter einem großen Zeltdach arbeiten fünf Werkstätten zusammen: Siebdruck-, Text- und Rollen-, Sound- und Musik-, Stimm- und Bewegungswerkstatt. Die Werkstätten sind täglich von 12 bis 22 Uhr geöffnet. Die Ergebnisse werden am Nachmittag auf der „Wiener-Platz-Bühne“ stattfinden als leise Intervention oder auch laute Demo/Prozessions oder Karnevalszug.
Das Kollektiv experimentiert mit Methoden des Theatermachers Augusto Boal – mit seinem Theater der Unterdrückten und dem Unsichtbaren Theater, bei dem Theaterszenen von Schauspieler*innen im öffentlichen Raum gespielt werden, ohne dass das Publikum weiß, dass es sich um ein inszeniertes Ereignis handelt. Gespielt wird auf dem Wiener Platz, in der U-Bahnstation und auf dem Wochenmarkt. Die Passant*innen werden zur abendlichen Lagerfeuer Runde mit Geschichtenerzählkreis eingeladen, um sich dort auszutauschen und im CircleWay einander zuzuhören.
Archivtheater und Oral-/Textwerkstatt
Die Text- und Rollenwerkstatt wird geleitet von Aischa-Lina Löbbert – Gründungsmitglied des Kollektivs, Regisseurin und Autorin, bekannt aus der Stunksitzung Mülheim. Gemeinsam mit Mülheimer*innen entwickelt sie für das Unsichtbare Theater einzeln variierende Spielszenen. Die Erfahrungen und Geschichten von Mitarbeiter*innen aus Initiativen, Vereinen und engagierten Bürger*innen wurden zuvor in Interviews aufgezeichnet und transkribiert. Diese Methode – Erzählungen als orale Geschichtsschreibung (Oral History) zur Grundlage von Archivtheater zu machen – hat das „mythen der moderne“-Kollektiv mit „Die Stimme der Stadt“ bereits von 2018 bis 2021 in vier Städten NRWs erfolgreich umgesetzt: in Castrop-Rauxel, Oberhausen, Wuppertal und Bergisch Gladbach.
Aus persönlichen Erinnerungen, Dokumenten, Fotografien, Briefen und Erzählungen übersetzt das Archivtheater dokumentarisches Material in eine künstlerisch eigenständige Form. Das Archiv wird dabei als lebendiger Ort kollektiver Erinnerung verstanden, an dem gesellschaftliche Erfahrungen sichtbar und verhandelbar werden. Schon einmal verhandelte das Kollektiv 2022 in Köln auf dem Friesenplatz mit „Wunderblock oder das Imaginäre Archiv“ den Verlust des Stadtgedächtnisses nach dem Einsturz des Historischen Archivs. Hier hat Pia Janssen, die künstlerische Leiterin des Kollektivs, der authentischen Sprache der Zeitzeug*innen die verdichtete Sprache von Lyrik und Liedtexten zur Seite gestellt – denn es ist die Poesie, die der Sehnsucht nach Frieden und der Empörung über soziale Ungerechtigkeit einen Sound zu vergeben mag.
Siebdruckwerkstatt
Selbstermächtigung im öffentlichen Raum zeigt sich nicht nur in der Stimme, sondern auch in der massenhaften Verbreitung von Schrift – wie unzählige Protestbewegungen eindrucksvoll belegen. In der Siebdruckwerkstatt, geleitet von Linus Dosch unter Mitarbeit von Meike Diedeling, entstehen für die täglich stattfindenden Demo-Choreografien und zur sichtbaren Markierung des Wiener Platzes als Spiel- und Aktionsort Plakate, T-Shirts, Transparente und Wimpel in großer Auflage.
Stimme-, Bewegungs- und Klangwerkstatt
Tom Simon, Musiker, Comedian, Clown und Gründungsmitglied der Stunksitzung, leitet die Stimmwerkstatt und animiert vor allem auf dem Platz die Passant*innen, ihre Stimmen zu erheben: zum Protestruf, zum chorischen Sprechen und Singen und zum Herauszuschreien, was ihnen wichtig ist.
Verantwortlich für die Bewegungswerkstatt ist der Mülheimer Künstler Bawelima Dessa Ganda, Tänzer, Comedian, Geschichtenerzähler. Er verbindet Bewegung, Stimme und den unterschiedlichen Klang der Sprachen. Gemeinsam mit Marco Gawunder und Ronja Frizen von „act4democracy“ zeigen sie, wie demokratische Werte auch körperlich erfahrbar sein können. Mit dem von „act4democracy“ für Demos entwickelten Performance-Baukasten können auch Passant*innen an den täglichen Demos über den Wiener Platz teilnehmen.
Der Klangkünstler und Musiker Hannes Strobl lädt in partizipativen Klangerforschungen und Hörraumperformances die täglich den Platz überquerenden Passant*innen ein, den Wiener Platz als ein akustisches Erlebnisfeld wahrzunehmen. Gemeinsam mit dem angehenden Opernsänger und Violinisten Casper Hesprich, der für experimentelle, genreübergreifende Formate steht, leitet er die Sound- und Musikwerkstatt.
Bei den Demo-Umzügen wird der Musiker Nurollah Turgut und die Sängerin Feliz Yildirim, mit der kurdischen Trommel Daff und Gesang den Platz mit eindringlichen Rhythmus und Sound erfüllen. Casper Hesprich wird mit seiner Fidel, wie der Rattenfänger von Hameln die Menschen auf dem Platz einsammeln. Die Assoziation zu einem Karnevalszug ist erlaubt, zumal ein Minikarnevalswagen, ein Lagerfeuer aus Pappmaché und eine große Puppe des kongolesischen Künstlers Claude Bwendua Teil der Demos auf den Platz werden.
Lagerfeuer, Geschichten und CircleWay
Friedensarbeit wird vom mythen der moderne -Kollektiv nicht als abstrakte Idee, sondern als konkrete Praxis des „Come Together“ im öffentlichen Raum propagiert. Am Abend verwandelt sich die Installation in einen Geschichtenerzählkreis und CircleWay-Zuhörraum rund um ein echtes Lagerfeuer. Die studierte Geschichtenerzählerin Selma Scheele wird gemeinsam mit Feliz Yildirim und Bawelima Dessa Ganda, alle drei aus Mülheim die Form des gemeinsamen Erzählens zelebrieren. Zum Ausklang laden Pia Janssen & Guests jeden Abend zum CircleWay, eine Zuhörrunde ein, in der jede Person sprechen darf, während alle anderen zuhören – ohne Bewertung und ohne Unterbrechung. Das Lagerfeuer, seit Menschengedenken ein Ort der Begegnung, wird wieder zu einem Ort des Innehaltens, des wertschätzenden Austauschs und der gegenseitigen Wahrnehmung.
Geschichte des Platzes – und seine Zukunft
Mit „FACI PACI BACI“ will das Kollektiv zeigen, dass das lokale Wissen und die tägliche Praxis von Engagierten eine enorme Friedensressource darstellen. Nachbarschaftliches Miteinander ist konkrete Friedensarbeit. Dazu gehört auch das Engagement der Geschichtswerkstatt für eine Umbenennung des Platzes: Der Ort wurde 1938 von den Nationalsozialisten aus dem „Triumph“ heraus, Österreich an das Deutsche Reich anzuschließen, von Oskarplatz in Wiener Platz umbenannt.
Das Kollektiv fragt nach einem neuen Namen und ermöglicht allen, zur Namensfindung beizutragen. Den Abschluss des „FACI PACI BACI“-Friedens-Kunst-Camps bildet die öffentliche Verlesung der vorgeschlagenen Namen. Mit einem Antrag an die Stadt Köln auf offizielle Umbenennung will das Kollektiv auch über seine künstlerisch-temporäre Intervention aufklären und nachhaltig zum friedlichen Miteinander beitragen.
„In Köln-Mülheim erleben wir Menschen, die jeden Tag aktiv Friedensarbeit leisten – ohne es so zu nennen. Unsere künstlerische Aktion möchte sichtbar und hörbar machen, was hier längst gelebt wird: das Wissen, die Geschichten und das solidarische Miteinander einer postmigrantischen Gesellschaft, die dieses Viertel zu dem macht, was es ist. Sie verdienen das Rampenlicht.“
— Pia Janssen, künstlerische Leiterin des mythen der moderne -Kollektivs
Programm im Überblick
| Zeitraum | Programm |
|---|---|
| Die–So, 25.-30.8.2026, 12-22 Uhr | Werkstätten durchgehend geöffnet: Siebdruck, Text & Rollen, Sound & Musik, Stimme, Bewegung |
| Do, 27.8.2026 | ab 12 Uhr Pressekonferenz mit ersten Werkstattergebnisse, ab 15 Uhr Stadtteilkonferenz AK- Wiener Platz, ab 17 Uhr Platz Fegen, ab 19 Uhr Lagerfeuer mit Geschichten und CircleWay |
| Fr–So, 28.-30.8.2026 | Ab 16 Uhr täglich Performance-Formate und Demos auf dem Wiener Platz |
| Die-So, jeden Abend ab 19 Uhr | Lagerfeuer mit Geschichten und · CircleWay- Runden |
Über mythen der moderne -Kollektiv
Das mythen der moderne -Kollektiv wurde 2015 gegründet und arbeitet an der Schnittstelle von Archivtheater, partizipativer Kunst und sozialem Engagement. Mit dem Format „Die Stimme der Stadt“ realisierte das Kollektiv zwischen 2018 und 2021 Produktionen in Castrop-Rauxel, Oberhausen, Wuppertal und Bergisch Gladbach.
Veranstaltungsdetails
25.–30. August 2026 · Täglich 12–22 Uhr
Wiener Platz · 51065 Köln-Mülheim
Pressekontakt
Lale Konuk
konuk@mythendermoderne.art
+49 (0)170 4856046