Theaterperformance im öffentlichen Raum
Wiener Platz Köln-Mülheim | 25.–30. August 2026
Im Sommer 2026 verwandelt sich der Wiener Platz in Köln-Mülheim für mehrere Tage in eine offene Werkstatt, ein Protest- und Friedenscamp und einen Ort des gemeinsamen Erinnerns, Zuhörens und Handelns.
Mit faci! paci! baci! entwickelt das mythen der moderne Kollektiv eine performative Installation im öffentlichen Raum, die Theater, Archivarbeit, Friedenspraxis und kollektive Begegnung miteinander verbindet. Gemeinsam mit lokalen Initiativen, Künstlerinnen, Aktivistinnen und Menschen aus dem Veedel entsteht eine temporäre „Miteinanderbühne“ mitten im urbanen Alltag.

Im Zentrum steht die Idee von Ubuntu – „Ich bin, weil wir sind.“ Der Gedanke aus dem südlichen Afrika beschreibt eine Form des Zusammenlebens, die auf gegenseitiger Wahrnehmung, Zuhören und Verantwortung füreinander basiert. In Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung und zunehmender sozialer Vereinzelung sucht faci! paci! baci! nach analogen Räumen der Begegnung und des gemeinsamen Handelns.
Unter einem großen Zeltdach entsteht auf dem Wiener Platz eine offene Struktur aus Werkstatt, Bühne und Archivraum. Eine mobile Siebdruckwerkstatt produziert gemeinsam mit Besucher*innen Fahnen, Transparente, Plakate und T-Shirts. In Textwerkstätten werden Erinnerungen, Geschichten und Gedanken gesammelt, weitergeschrieben und in performative Formate übersetzt. Friedensarbeit wird dabei nicht als abstrakter Begriff verstanden, sondern als alltägliche Praxis des Zusammenlebens im öffentlichen Raum.
Ein zentraler Bestandteil ist das Archivtheater. Aus persönlichen Erinnerungen, Dokumenten, Fotos, Briefen und Erzählungen entstehen gemeinsam entwickelte Szenen zwischen dokumentarischem Material und performativer Übersetzung. Das Archiv wird dabei nicht als abgeschlossener Speicher verstanden, sondern als lebendiger Ort kollektiver Erinnerung und gesellschaftlicher Aushandlung.
Theaterworkshops zu Bewegung, Stimme, Sprechchor und Performance öffnen den Raum für unterschiedliche Formen der Beteiligung. Professionelle Künstler*innen arbeiten gemeinsam mit Menschen aus unterschiedlichen sozialen und kulturellen Zusammenhängen. Dabei entsteht ein Prozess, der künstlerische Praxis und soziale Begegnung unmittelbar miteinander verbindet.
Am Abend verwandelt sich die Installation in einen CircleWay-Zuhörraum rund um ein Lagerfeuer. In dieser Form des gemeinsamen Erzählens kann jede Person sprechen, während die anderen zuhören – ohne Bewertung oder Unterbrechung. Das Lagerfeuer wird zu einem Ort der Konzentration, der gegenseitigen Wahrnehmung und der Vielstimmigkeit.
faci! paci! baci! versteht den Wiener Platz als sozialen Resonanzraum: als Transitort, Treffpunkt, Konfliktraum und Bühne urbaner Öffentlichkeit zugleich. Das Projekt fragt danach, wie Erinnerung, Nachbarschaft, Friedensarbeit und kollektive Verantwortung heute sichtbar und erfahrbar werden können.
Die Performance lädt dazu ein, den öffentlichen Raum temporär neu zu denken – als Ort des Austauschs, der künstlerischen Praxis und des gemeinsamen Handelns.