Herbst 2022 • WUNDERBLOCK oder Das Imaginäre Archiv

13. bis 16. Oktober 2022 Tag- und Nachtperformance auf dem Friesenplatz in Köln

Archivar:innen sind immer auch Erzähler:innen über Zukünftiges und nicht nur Konstrukteur:innen von gegenwärtigem Wissen aus vergangenen Geschichten.

Stefan Aue im Gespräch mit Knut Ebeling, Kunstforum International, Band 280 Zukunftsressource Archiv, Köln 2022

Der Wunderblock ist ein Lernspielzeug, eine Schreibtafel, die es erlaubt, Geschriebenes wegzuwischen, um darauf Neues zu überschreiben. Dennoch bleiben Druckspuren. Diese Gedächtnismetapher, als das Überschreiben von Erinnerungen, steht für das Unbewusste, das Nichterfasste, das Nichtgewollte oder auch bewusst Ausgelassene, anders gesagt, für die Lücken des Archivs.

Dazu entwickeln wir die Kunstfigur des „Ewigen Archivar“ (bewusst gewähltes masculinum), der mit seinem Archivregal alleine in seinem Arbeitsraum haust. In seiner unermüdlichen Arbeit kommt er in Berührung und konfrontiert sich mit den Auslassungen, die im übertragenen Sinne durch die Jahrhunderte für die Ausgrenzung und die Legitimität der Ungleichheitserfahrungen von marginalisierten Gruppen stehen. Archi­­­­­­­­­­vieren stellt eine Ausübung von Herrschaft über die Erinnerungskultur dar und ist daher politisch:

Wer bestimmt, was erinnert wird?

Angeblich sollen durch den Einsturz des Historischen Archivs in Köln vor 13 Jahren 5% der Archivalien unwiederbringlich zerstört sein. Tatsächlich wird man erst in 30 – 40 Jahren, nach abgeschlossener Restaurierung, wissen, wieviel verloren ist. Der Bezug des neuen Archivgebäudes des Historischen Archivs Köln 2021 gab uns den Impuls, über das Verwalten und Verwahren von Erinnerung und der daraus resultierenden Kultur nachzudenken. Mit dem Projekt Wunderblock oder Das Imaginäre Archiv, werden diverse Themen durch die Reflexion über die Methoden des Archivierens öffentlich sichtbar verhandelt.

Die Cut Up-Montage ist die erprobte künstlerische Praxis mit der mythen der moderne die lineare Geschichtsschreibung mit fiktiven Erzählungen verschneidet.

In der Arbeit an Wunderblock und Das Imaginäre Archiv werden durch die zeittektonischen Verschiebungen von Biografien, historischen Fakten und fiktiven Erzählungen neue Kontexte entwickelt. Denn durch Verlust von Quellen, wie beim zerstörten Kölner Archiv, und weil historische Zeugnisse von Minderheiten nicht erfasst oder deren Erzählungen überschrieben wurden, sieht mythen der moderne eine fiktionale Bearbeitung der dokumentarischen Materialien als eine wirkmächtige Möglichkeit, Geschichte zu erzählen.

Die lokale Thematik Kölns dient als Ausgangspunkt, um forschend die Perspektive auf die „Lücken der Archive“ zu erweitern: auf Migration, Diversität, Gender, Postkolonialismus und den Shift der individuellen Erzählungen in die Datenbanken der sozialen Medien.

mythen der moderne betreibt künstlerische Forschung als Arbeit an einem imaginären Archiv.

Wie wollen wir in der Zukunft erinnert werden?

Künstler:innen & Mitgestalter:innen

Künstlerische Leitung: Pia Janssen
Konzept und Recherche: Bettina Erasmy, Pia Janssen, Hannes Strobl
Autorin: Bettina Erasmy
Bild- und Filminstallation: Pia Janssen
Klanginstallation: Hannes Strobl
Projektleitung: Lydia Glup, Ruth Prangen
Assistenz: Ella Kühn
Performer:innen: Felix Bold, Felix Breuel, Joscha Creutzfeld, Sina Ebell, Ralf Harster, Burak Hoffmann, Sotiria Lourcopoulos, Aischa-Lina Löbbert, Katharina Reissdorf, Susanne Seuffert, Olcayto Uslu, Fee Zweipfennig
Foto- und Filmdokumentation: Tobias Schmücking
Grafik: Parissa Charghi
Öffentlichkeitsarbeit: Heino Schütten
Medientechnik: Erik Denneborg projekt.tv
Medientechnische Mitarbeit: Philipp Gschwendtner, Javad Doroodgar
Auf- und Abbau: Oliver Bedorf, Rogelio Diaz


Mit freundlicher Unterstützung von

ArchivKomplex Kölner Initiative; anarchivTANZ deufert&plischke; BPJ; Marianne und Peter Brukschen, Ali Brukschen; ComeTogether e.V.; dublab – Joscha Creuztfeldt, DOMiD-Archiv, Köln – Beate Rieple, Bettina Just; Micha Das Bach; Georg Elben; Bettina Erasmy; Ford Archiv – Klaus Stollenwerk; Förderverein Geschichte in Köln e.V. – Dr. Christian Hillen; Dennis Freischlad; Frauke Gerhard; Orhan Gökkus; Gisela Henke; Franz-Joseph Heumannskämper; Historisches Archiv der Stadt Köln; Initiative Keupstraße ist überall; Artur Janssen; Michael Janssen; Pia Janssen; Hauptschule Großer Griechenmarkt – Tobias Jüttemeier; Kane Kampmann; Stefan Kebbekus; Jasper Kettner; Ella Kühn; Joachim Kühn; Kölner Filmerbe Stiftung – Hermann Rheindorf; Maro Drom – Kölner Sinte und Freunde e.V. – Krystiane Vajda, Markus Reinhardt; Ralf Maro; Mediafix GmbH; Nippeser Filmtage – Ana Motiér, Oliver Schneider; radio aporee – Udo Noll, Frank Schulte; Stiftung Rheinisch Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln; Herby Sachs, LVR-ZMB; Sequentia – Benjamin Bagby; Susanne Seuffert; Michael Sierp; Stimmen Afrikas – Christa Morgenrath; Dietrich und Katharina Schubert; Gregor Zootzky

Förderungen und Kooperationen


MYTHEN DER MODERNE IST EIN KOLLEKTIV INTERDISZIPLINÄREN FORMATS, DAS GESELLSCHAFTLICH UND KULTURELL RELEVANTE PHÄNOMENE AUSLOTET.