Oktober 2019 • StoryBox Oberhausen

Das gehört den Bürgern, das ist das Haus der Bürger, das ist so!

Stimme einer Oberhausener Bürgerin

Die StoryBox ist das zentrale Element der künstlerischen Recherche für die Theater- und Musikinszenierung Die Stimme der Stadt. Mit der StoryBox, einem mobilen Tonstudio, sammelt mythen der moderne Geschichten von Bürger:innen. Die Möglichkeit, anonym die eigene Meinung aufzeichnen zu lassen, folgt dem wertfreien Ansatz zur Erforschung der kulturellen Atmosphäre einer Stadt.

Transkribiert und in der Performance miteinander in Beziehung gesetzt wird eine ortsspezifische Aufführung aus den Stimmen der Bürger:innen entwickelt. Die Stimme der Stadt war 2019 eine fünfstündige Performance im gesamten Rathaus und insbesondere im Ratssaal. Das vom Architekten Ludwig Freitag entworfene Rathaus wurde 1930 eröffnet und gilt mit seinem expressionistischen Stil als Bauwerk der (ersten) Moderne mit internationaler Bedeutung.

Die StoryBox, das mobile Tonstudio, haben wir in Oberhausen in einem kleinen Wohnwagen eingerichtet. Die Caravankultur hat ihm Ruhrgebiet eine prägende Bedeutung in der Freizeitgestaltung. So war auf den Märkten der verschiedenen Stadtteile der Anhänger der Marke „King I – Weltenbummler“ eine Attraktion. Außen Nostalgie, innen Tonstudio, in dem die Menschen Oberhausens gerne über ihr tägliches Leben in der Stadt gesprochen haben.

Die Interviews bilden eine Polyphonie erlebter Geschichte mit diversen Inhalten:

Wie die Geschichte von wilden Parties auf dem „Monte Schlacko“, die so genannte Knappenhalde der Zeche Oberhausen, Beschwerden über die Leerstände in der Innenstadt als Folge des Centro-Einkaufszentrums, die von vielen Oberhausener beschworene kulturelle Vielfalt im „Pott“.

Zugleich haben viele Menschen auch ihre Ängste vor Überfremdung geäußert, bei gerade einmal 5000 Migranten in einer Stadt von gut 200.000 Einwohnern. Es gab sowohl engagierte Initiativen aus unterschiedlichen Kulturkreisen gegen Rassismus wie auch ausgesprochen viele und aggressiv-fremdenfeindliche Haltungen migrantischen Mitbürger:innen gegenüber. Außerdem gab es ein ständiges Murren über die angeblich mental nie vollzogene Zusammenführung der Stadtteile Sterkrade und Oberhausen nach der Gebietsreform 1978, und immer wieder Klagen über die zunehmende Armut in der Stadt. Diese Aufnahmen geben also, einer Kurzzeit-Chronik gleich, die vorherrschenden Stimmungen in der Stadt wieder.

Alle transkribierten Erzählungen und Interviews für Oberhausen wurden in Form eines Archivbuchs dem Stadtarchiv übergeben. Sie sind damit weiterhin für alle Bürger:innen zugänglich.

In 2018 tourte die StoryBox in Castrop-Rauxel, 2020 in Wuppertal und Bergisch Gladbach, sowie im Kinder- und Jugenddorf Bethanien in Bensberg.

Jaja, zu der Familie habe ich immer einen guten Draht. Muss sein. Familie ist wichtig.

Stimme eines Oberhausener Bürgers

Künstler:innen & Mitgestalter:innen
Selin Bahar Sarikaya
Francesca Best
Pia Janssen
Carlotta Lösch-Will
Irina Weischedel

Förderungen & Kooperationen


MYTHEN DER MODERNE IST EIN KOLLEKTIV INTERDISZIPLINÄREN FORMATS, DAS GESELLSCHAFTLICH UND KULTURELL RELEVANTE PHÄNOMENE AUSLOTET.